Die Allerersten Anfänge
Anthropologen vermuten, dass prähistorische Menschen auf der Suche nach neuen Nahrungsquellen die einheimischen Teebäume in den Wäldern von Yunnan entdeckten und erkannten, dass diese Blätter eine Quelle belebender Energie waren. Nachdem sie gelernt hatten, Wasser zu kochen, experimentierten sie höchstwahrscheinlich damit, Teeblätter und andere Pflanzenteile in kochendes Wasser zu geben, um daraus dann verschiedene kräftige, bittere Aufgüsse zu brauen.
Tee in China, Japan und Tibet
1766 – 1050 v. Chr.
Shang Dynastie
Tee wird als Heilgetränk wegen seiner medizinischen Eigenschaften konsumiert. Oft in Kombination mit anderen Pflanzen, Samen, Rinden und Blättern.
1122 – 256 v. Chr.
Zhou Dynastie
Tee wird erstmals als Konzentrat ohne Zugabe anderer Blätter oder Kräuter gebrüht
221 – 210 v. Chr.
Qin Dynastie
Unter dem ersten Qin-Kaiser, Qin Shi Huang, werden die breiten Bevölkerungsschichten erstmals auf Tee aufmerksam. Arbeiter aus dem Westen bringen ihre Traditionen, ihre Speisen und auch ihren Tee mit – und so wird Tee zu einem begehrten Gut.
206 v. Chr. – 220 n. Chr.
Han Dynastie
Durch die Eingliederung von Yunnan und Sichuan in das chinesische Reich wird es für die breite Bevölkerung einfacher, Tee aus den westlichen Provinzen zu kaufen.
220 – 589 n. Chr.
Zeit der Uneinigkeit
Die Art und Weise, wie frische Teeblätter verarbeitet und aufgebrüht werden, ändert sich: Teeblätter, die zuvor getrocknet und geröstet wurden, werden nun gedämpft, anschliessend getrocknet (jedoch nicht geröstet) sowie zu kleinen, festen Teekuchen gepresst. Die Teekuchen werden dann gebacken. Diese Veränderung markiert den Beginn des endgültigen Wandels des Tees vom bitteren Stärkungsmittel zum Genussgetränk.
618 – 907 n. Chr.
Tang Dynastie
Die Tang-Dynastie verleiht der Teekunst Raffinesse und Eleganz. Die Rolle des Teemeisters wird etabliert, und es entsteht viele verschiedene Arten von Teegeschirr.
Auch in dieser Zeit legt Lu Yu die Rituale fest, die er für die Zubereitung einer ordnungsgemässen Kanne Tee für notwendig erachtet. Die Tang-Dynastie baut zudem ein ausgedehntes, staatlich kontrolliertes Netzwerk von Teegärten auf, führt ein System des Tauschhandels von Tee gegen Pferde ein und legt eine Methode zur Besteuerung von Tee fest.
614 n. Chr.
Tee kommt nach Tibet
Als die Tang-Prinzessin Wen Cheng den tibetischen König Songtsan Gambo heiratet, werden auch Handelsbeziehungen zwischen Tibet und China geknüpft. Die Tang tauschen Tee gegen Pferde und legen die Routen fest, die historisch als „Tee Horse Road“ bekannt sind und sich von Sichuan und Yunnan über den Himalaya bis nach Tibet erstreckten. Der Handel umfasst hauptsächlich gepresste Teeblöcke aus dunklem, grobem „Grenz-Tee“ minderer Qualität. Schliesslich entwickeln sich mehrere unabhängige Teehandelsrouten von Westchina aus:
- Die südliche Route nach Tibet
- die westliche Route von Sichuan über Zentralasien in die Mongolei und Siberien
815 n. Chr.
Tee gelangt nach Japan
Tee gelangt durch Kontakte zwischen Zen-Priestern und chinesischen buddhistischen Mönchen nach Japan.
Es wird angenommen, dass der Priester Saichō den Tee von seinem Aufenthalt in China mitbrachte und für den Japanischen Kaiser Teesamen aussäte. Das Interesse am Tee beschränkt sich jedoch noch weitgehend auf den kaiserlichen Hof.
960-1279
Song Dynastie
Teetrinken wird weiterhin als höfisches Ritual gepflegt. Es werden Systeme zur Sortierung von losem Tee und zur Bestimmung seiner Qualität eingeführt. Zarte Blätter aus der Frühjahrsernte waren der Oberschicht und der Elite vorbehalten, während grössere, gröbere Blätter aus der Sommerernte zum Alltagsgetränk der Arbeiterklasse wurden.
Gleichzeitig entwickelt sich der Teekonsum weiter, und fein gemahlener Tee beginnt, die groben Blätter in den Teekuchen zu ersetzen. Es entsteht neues Porzellan, und der Handel damit beginnt zu florieren. In dieser Zeit entstehen zahlreiche Teehäuser. Gegen Ende ihrer Herrschaft beginnt die Song-Dynastie, mit dem Trinken von Tee aus losen Blättern zu experimentieren.
1191
Japan: Mönch Eisai
Ein Zen-Mönch namens Myōan Eisai bringt Teesamen und Teesträucher aus China nach Japan. Die Teezeremonien sowohl der Tang- als auch der Song-Dynastie geniessen bei den Japanern hohes Ansehen.
Eisai wird zugeschrieben, den Teegenuss in Japan während der Kamakura-Zeit (1185–1333) populär gemacht zu haben.Was die Förderung des Teetrinkens angeht, ist Eisai für Japan das, was Lu Yu für China ist.
1271 – 1368
Yuan Dynastie
Während der mongolischen Herrschaft wird Teetrinken zum rein funktionalen Akt und nicht mehr gepflegt. Die mongolischen Herrscher sind an dunklen, groben Ziegel-Tee gewöhnt, der mit fermentierter Stutenmilch vermischt wird. Zwar finden sie losen Tee recht zufriedenstellend, haben jedoch keine besondere Vorliebe für den aufgeschäumten Tee der Song.
Die Yuan-Mongolen entwickeln eine neue Technik zum Trocknen und Rösten frischer Teeblätter (Chaoqing). Doch erst in der Ming-Dynastie geht die Verarbeitung von Teeblättern über diese ersten Stadien hinaus.
1368 – 1644
Ming Dynastie
Es werden zahlreiche Richtlinien und Vorschriften bezüglich des Teeanbaus, der Produktion, der Sortierung, der Lagerung und des Transports erlassen. Die Geheimnisse der Oxidation werden entdeckt. Die Porzellanbrennereien von Jingdezhen stellen ihre Produktion von Qingbai- und reinweissem Shufu-Porzellan auf die Herstellung von blau-weissem Unterglasurporzellan (Mei-Ping) um. Gaiwans werden erfunden, die ersten Porzellan-Teekannen und Zisha Tonkannen tauchen auf. Da Tee noch immer teuer ist, werden diese Teekannen bewusst klein gefertigt.
Die Ming entwickeln eine Leidenschaft für duftende Blüten und Blumen, und ihre Liebe zu intensiven Düften veranlasst sie dazu, die Kunst der Parfümierung von Tee mit frischen Blütenblättern zu perfektionieren. Die Kreation von mit Jasmin, Osmanthus und Rosen parfümiertem Tee gilt als der bedeutendste Beitrag der Song-Dynastie zur chinesischen Teekultur.
JapaN:Chanoyu
Japanische Mönche und Priester pflegen weiterhin den Brauch, Tee mit einem Pinsel aufzuschäumen und zu pulverisieren. Im 16. Jahrhundert entwickelt sich „Chanoyu“, der „Weg des Tees“, zum höchsten künstlerischen Ausdruck des Teetrinkens.
1644 – 1911
Qing Dynastie
Die mandschurischen Herrscher bevorzugen einen groben, dunklen Tee, der aus schwarzem Tee und fermentierter Stutenmilch zubereitet wird. Tee ist für die Mandschu jedoch von grosser Bedeutung.
Die Erfindung des Schwarztees
Angetrieben von der Notwendigkeit, Tee für die Niederländer herzustellen, der die lange Reise nach Europa überstehen würde, verbessern und perfektioniertn die Chinesen die Herstellung von Schwarztee. Diese Teesorten werden in Wuyi, in der Provinz Fujian produziert.
Tee im rest der Welt
Die Zeit der Qing Dynastie war auch die Zeit, in der der Handel mit Europa China zur weltweit führenden Handelsnation machte. Obwohl es die Portugiesen sind, die als Erste Tee, Gewürze und Porzellan nach Portugal bringen, sind es die niederländischen Händler, die im frühen 17. Jahrhundert den Brauch des Teetrinkens im Westen etablieren.
1610
Tee erreicht Den Haag
Die erste Ladung chinesischer Tees erreicht Den Haag.
1650
Tee erreicht Deutschland
1662
Tee wird zum Trendgetränk Englischer Damen
Charles II. heiratet Katharina von Braganza, Prinzessin von Portugal und Teeliebhaberin, und Tee wird zum angesagten Getränk der englischen Damen. Wie die Niederländer fügen sie ihrem Tee Milch, und zusätzlich Zucker hinzu. Der Zucker verstärkt die belebende Wirkung des Tees noch zusätzlich.
1669
Britisch Ostindien-Kompanie
England gewährt einer Gruppe von Kaufleuten das Monopol auf den englischen Handel im Fernen Osten. Im Jahr 1684 laufen die ersten Schiffe der neuen Britisch Ostindien-Kompanie (EIC) im Hafen von Whampoa ein und erhalten von den Chinesen die offizielle Genehmigung, Tee direkt zu kaufen. Die Chinesen verweigern ihnen jedoch die Einreise auf chinesisches Territorium. In den folgenden 150 Jahren besitzt die EIC das Exklusivrecht, chinesischen Tee nach England zu importieren.
1670
Tee erreicht die USA und Frankreich
Erste Erwähnung von niederländischem Tee in der Kolonie Massachusetts.
Nachdem die Niederländer die Teekultur übernommen hatten, begann auch die französische Oberschicht, Tee zu trinken.
1723
Tee erreicht Skandinavien
16. Dezember 1773
Boston Tea Party
1776
Handel mit Opium
Die Briten sind stark vom chinesischen Tee abhängig geworden, also beginnen sie, in China einen Markt für Opium zu schaffen. Mit ihren Einnahmen aus dem Opiumverkauf gleichen sie dabei die Ausgaben für den Teekauf aus.
Da China nicht in der Lage ist, die Droge zu verbieten, ordnet der Kaiser die Vernichtung riesiger Mengen britischer Opiumvorräte an.
1823
Enteckung der Assam Pflanze
Bereits seit mehreren Jahren kursieren Gerüchte, dass die dort ansässigen Singpho-Stämme im Nordosten des Assam-Tals (Indien) wilde Teepflanzen entdeckt hätten. Im Jahr 1823 bestätigt sich dieses Gerücht, und Samen werden nach England geschickt. Sie werden analysiert und als eine andere Teepflanzenart identifiziert – und daher als minderwertig eingestuft. Erst Jahre später wird den Briten klar, dass sie diese Pflanze einfach nicht als das erkannt hatten, was sie war: eine andere, in Assam heimische Teepflanzenart.
1834
Ende des Monopols
Die Krone bricht das Monopol und die EIC sucht verzweifelt nach einem Ort, an dem sie Tee anbauen und alle Aspekte der Produktion kontrollieren kann.
1839 – 1842
ERster Opium Krieg
Die britischen Vergeltungsmassnahmen als Reaktion auf die Vernichtung riesiger Mengen britischer Opiumvorräte lösen den ersten Opiumkrieg aus.
Am Ende verliert China und muss mit der Zwangsunterzeichnung des Vertrags von Nanjing den Engländern das Eigentumsrecht an der Kolonie Hongkong, sowie freie Handelsrechte in allen chinesischen Häfen gewähren.
1847
Der durchbruch in Assam
Erst mit der Ankunft von George Williamson beginnen die Engländer, sich mit dem Teeanbau in Assam vertraut zu machen. Williamson setzt sich dafür ein, alle chinesischen Teesträucher aus den Teegärten zu entfernen und durch gezüchtete Assam-Teesträucher zu ersetzen. Von diesem Zeitpunkt an blüht die englische Teeindustrie in Assam auf.
Die Briten beginnen, diese Sorten zu kreuzen, und erschaffen so den modernen „Assam-Strauch“.
1856–1860
Zweiter Opiumkrieg
Nach dem Ersten Opiumkrieg stagnierten die Exporte nach China. Die britische Regierung machte die Qing-Regierung für den Rückgang der Exporte verantwortlich und versuchte, den Vertrag von Nanjing erneut mit militärischen Mitteln zu revidieren. Ziel war es, den Opiumhandel zu legalisieren und das chinesische Hinterland jenseits der Vertrags-Häfen für britische Exportinteressen zu öffnen.
Der Krieg endete mit dem Vertrag von Peking, dessen Bedingungen für die Westmächte äusserst günstig waren.
1878
Teegärten werden in Java angelegt
Der Erfolg der Engländer in Indien veranlasst die Niederländer, Stecklinge des Assam-Teestrauchs auf die Insel Java zu importieren und anzupflanzen. Nach etwa 45 Jahren mässiger Erfolge beim Anbau, erwies sich der Assam-Strauch endlich als Erfolg.
Mid-1880
Teegärten werden in Malawi angelegt
1884
Robert Fortune
Die Briten beauftragen den schottischen Botaniker Robert Fortune, der daraufhin inkognito in die Provinz Fujian reist, um Teepflanzen zu sammeln und die chinesischen Methoden zur Herstellung von grünem und schwarzem Tee zu erlernen. Es gelingt ihm, Teestecklinge, technische Informationen und mehr als 80 chinesische Teespezialisten aus China nach Indien zu schmuggeln.
Fortunes Pflanzen und Samen werden in die Region Darjeeling geschickt, wo sie durch reines Glück im kühlen Klima der Höhenlage gut gedeihen.
1900
Untergang der chinesischen Teeindustrie
Mit dem Anbruch der Moderne kommt es zu weiteren Veränderungen in der Welt des Tees.
Die von Kamelen gezogenen Teekarawanen in die Mongolei und nach Sibirien finden mit der Fertigstellung der Transsibirischen Eisenbahn ihr Ende.
Die Importe von chinesischem Tee, die einst 90% aller Teekäufe ausgemacht hatten, schrumpfen aufgrund der grossen Teemengen aus Indien auf 5% pro Jahr. Dieser Verlust stürzt die chinesische Teeindustrie in eine Krise, von der sie sich erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wieder erholen soll.
Teeplantagen in Afrika
Die grossen Teeplantagen in Afrika entstehen kurz vor und nach der Wende zum 20. Jahrhundert in Ostafrika sowie im östlichen Teil Südafrikas – in den Kolonien Portugals, der Niederlande und Grossbritanniens.
1903
Teesamen aus Assam werden in Kenya angepflanzt
1930
Teesamen aus Assam werden in Tanzania angepflanzt
Quellen
1 The Story of Tea: A Cultural History and Drinking Guide – Mary Lou Heiss, Robert J. Heiss
2 Wikipedia: Zweiter Opiumkrieg
3
